Trab, Galopp und Schmerzen
Wenn jemand glaubt, dass uns ein Besuch in den Silberminen von Potosi (Bolivien) schon unheimlich genug gewesen wäre der irrt sich, denn wir stellten uns der Herausforderung eines zweitägigen Ausritts auf Pferden. Dabei muss erwähnt werden, dass sowohl Caro als auch ich blutige Anfänger im Umgang mit Pferden sind. Das letzte Mal hatten wir vermutlich mit 11 Jahren auf einem Pferd gesessen und eine Runde an der Leine gedreht.
Wir ließen uns kurz beraten, hörten uns was zu der Route an und machten uns auch direkt fertig um etwa ne Stunde später auf den gesattelten Pferden sitzen zu können. Ein netter junger Guide rüstete uns mit Lederschutz an den Beinen und Cowboyhüten aus, wir bestanden aber darauf Helme zu bekommen, denn wir vertrauten unseren "Reitkünsten" einfach nicht...
Unsere erste Rast machten wir in einer Schlucht mit tollen Felsformationen.
Wir ritten nach einer weiteren Pause am Fluss bei der wir tolles typisches Essen bekamen (in Maiskolbenblätter gewickelte Bälle aus Maispaste mit Fleisch gefüllt...sehr würzig und sehr sättigend) abseits von Straßen und Pfaden, durch Flüsse, Felder und über Kies.
Das letzte Stück ritten wir lange Zeit auf einem Weg durch ein Dorf hindurch, dass sich sehr in die Länge zog. Vom Pferd hatten wir einen guten Blick in die Innenhöfe und Gärten und bekamen einen Eindruck vom ländlichen Leben in dieser Gegend. Wenn jemand mal neugierig um die Ecke lugte oder von uns überrascht wurde so grüßten wir freundlich. Die Menschen dort leben wirklich unter sehr einfachen Verhältnissen und trotzdem hörten wir am nächsten Tag in einem andern Dorf doch tatsächlich die ein oder anderen Rufe von Fussballfans, denn selbst dort verfolgte man die WM über Radio und Fernsehen.
Nach einem ausführlichen Dehnungsprogramm in den letzten Sonnenstrahlen legten wir uns in die Betten unseres einfachen Lehmhauses und pennten ein. Später gabs noch lecker Abendbrot mit Suppe usw. begleitet von Chacarera-Musik (Caros absoluter Favorit, hat sie in Argentinien kennengelernt).
Morgens bekamen wir noch ein ausgiebiges Früchstück und hatten als wir uns frohen Mutes auf die Sattel schwingen zum Glück auch kaum noch Schmerzen, nur nen kleinen Muskelkater .)
Wieder staunten wir über die schöne und abwechslungsreiche Landschaft und genossen das Auf und Ab zu Pferde.
Wir trauten uns immer mehr zu und galoppierten auch mal etwas längere Strecken, aber davor hatten wir bis zum Ende großen Respekt. Vor allem weil währenddessen zum Schluss nochmal schön zwei Hunde aus dem Gebüsch geschossen kamen und unsere Pferde zu Tode erschreckten.
Meins bäumte sich aus dem Galopp kommend auf und Caros wich direkt auf den Graben aus und raste mit vollem tempo weiter, so dass wir uns beide einfach nur festklammerten, die Zügel fest anzogen und "para" schrien. Boah als der Guide unsere Pferde zum Halten gebracht hatte schauten wir uns verdattert und froh zugleich an. Sie hatten uns nicht abgeschmissen, aber unsere Herzen rasten wie verrückt. Von nun an waren wir bereit für das Ende dieses Abenteuers, denn auch die Schmerzen kehrten natürlich wieder...nachdem wir unsere Pferde abgegeben hatten gings breitbeinig zurück zum Hostel. Da kann man die Cowboys auf einmal verstehen...
Trotz eines Endes mit Schrecken war es wunderbar, aufregend, anstrengend und erholsam zugleich. Muchas gracias!!!
Naja ich mag Pferde jetzt mehr als vorher und möchte auch auf jeden Fall nochmal nen Ausritt machen, aber ein richtiger Fan werde ich in diesem Leben wohl nicht... Saludos eure Tanja
Als erfahrene Reiterin musste ich bei diesem Eintrag schmunzeln... ;)
AntwortenLöschenAber freut mich, dass Ihr es als "eine Erfahrung wert" einstuft :)
eure nika